2 Theoretischer Rahmen

2.1 Was ist Kommunikation?

2.2 Was ist "Rolle"?

2.3 Was ist Internet?

2.4 Kommunikation im Internet

2.5 Rollenverhalten im Internet


In diesem Kapitel werden die Grundlagen zum Verständnis dieser Arbeit dargelegt. Die Begriffe Kommunikation, Rollen und Internet werden dargestellt.

2.1. Was ist Kommunikation?

Definition: Kommunikation bezeichnet Prozesse, in denen ein Sender (mindestens) einem Empfänger über ein Medium eine wie auch immer geartete Botschaft oder Nachricht zukommen läßt. Das Medium kann z.B. die gesprochene Sprache sein, ein Brief, eine Fernsehsendung oder auch der Computer. Jedes Medium hat seine bestimmten Zeichen und Codes. Im persönlichen Kontakt z.B. wird neben Wörtern z.B. auch Mimik und Gestik verwendet, aber auch der Tonfall ist wichtig. Und natürlich müssen auch die Sprache sowie die Botschaften verstanden werden.

Kommunikation kann sowohl synchron als auch asynchron sein, d.h. gleichzeitig oder zeitversetzt. Eine Unterhaltung oder ein Telefongespräch sind synchron, während z.B. Briefverkehr asynchron ist.

Wie diese Begriffe auf computervermittelte Kommunikation angewendet werden können, wird in 2.4. näher erläutert.

2.2 Was ist "Rolle"?

Definition: Eine soziale Rolle ist "ein Bündel normativer Verhaltenserwartungen, die von einer Bezugsgruppe oder mehreren Bezugsgruppen an Inhaber bestimmter sozialer Positionen herangetragen werden." [Rüdiger Peuckert in "Grundbegriffe der Soziologie", S. 262 ]

Jeder Mensch hat verschiedene soziale Rollen inne, die von ihm je nach Situation und je nach Bezugsgruppe erwartet werden. Schüler erwarten von ihrem Lehrer seine Rolle als Lehrer – und nur diese. Dieser Lehrer wird zu Hause im Kreise seiner Familie seine Rolle wechseln und die Rolle des Vaters annehmen, welche auch von ihm erwartet wird.

Rollen sind entweder selbst erworben oder werden von anderen zugeschrieben. Sie können z.B. von der sozialen Stellung, vom Beruf, vom Äußeren oder von der Situation abhängig sein. In einem Geschäft übernehmen Kunde und Verkäufer bestimmte Rollen und haben unterschiedliche Erwartungshaltungen jeweils dem anderen gegenüber.

Die Besonderheiten des Rollenbegriffes im Internet werden in 2.5. näher erläutert.

2.3 Was ist Internet?

Das Internet ist ein Computernetz, das weltweit Millionen von Computern miteinander verbindet. Es ist ein Medium des Datenaustausches und der Kommunikation. Soziologisch gesehen ist es eine virtuelle Realität mit eigener Kultur und eigenen Traditionen.

Es entwickelte sich vor (ca. 20 Jahren) ursprünglich aus dem ARPANET (Advanced Research Projets Agency), einem experimentellen dem Netzwerk des US-Verteidigungsministeriums. Nach und nach wurde es mit anderen Funknetzen wie dem NSFNET (National Science Foundation Net) verbunden und diente somit auch wissenschaftlichen Zwecken. Schließlich wurde das Netz der amerikanischen Universitäten und in Folge auch andere regionale Netze angehängt. Mittlererweile sind weltweit Firmen, Universitäten und auch Privatpersonen am Internet angeschlossen (ggf. gegen Gebühren).

Informationen und deren Austausch ist der Schwerpunkt des Internets. Jedes dem Internet angeschlossene System kann auf verschiedene Arten Daten zur Verfügung stellen. Inzwischen ist die Verwendung von Hypertexten (HTML-Dokumenten) am stärksten verbreitet. Ein HTML-Dokument (Hyper Text Markup Language) ist eine Sammlung von Text- und Grafik-Elementen, verbunden mit URLs (Universal Resource Locaters), welche als Querverweise auf andere Hypertext-Seiten verweisen. So kann man sich von einem Hypertext-Dokument zu verschiedenen anderen verbinden (im Internet-Sprachgebrauch "surfen" genannt). Die meisten im Internet vertretenen Organisationen, seien es nun Firmen, Universitäten oder sonstige Gruppen bieten Informationen über solche Hypertext-Seiten (auch Homepages genannt) an.

Für direkte Kommunikation gibt es im Internet newsgroups, Chat-Foren und Email als Medien, wobei der Email die größte Bedeutung zukommt.

2.4 Kommunikation im Internet

Im Folgenden werden die wichtigsten Kommunikationsformen im Internet dargestellt. Am Ende von 2.4 befindet sich eine Übersicht (Abb. 1).

2.4.1 Email

Um jemandem im Internet eine Nachricht zu schicken, wird seine Emailadresse benötigt. Diese setzt sich aus dessen Benutzerkennung und dem Rechnernamen des Benutzers zusammen, getrennt mit dem @-Zeichen (englisch ausgesprochen: "at", auch "Affenklammer" genannt). Eine Emailadresse sieht also meist ungefähr so aus: User@rechner.domain.land. (Als Beispiel: meine Emailadresse lautet "Kathrin.Boelter@sowi.uni-giessen.de".)

Eine Email besteht aus zwei Teilen: dem Header und dem eigentlichen Text.

Den Header kann man sich als virtuellen Briefumschlag vorstellen. Er enthält die Information, wer an wen und wann eine Email mit welchem Betreff verschickt. Diese Informationen sind besonders für den Mailtransport wichtig, aber natürlich auch für den Empfänger.

In dem zweiten Teil befindet sich dann die eigentliche Nachricht, vergleichbar mit einem Brief, der sich in dem "Briefumschlag" befindet.

2.4.2 Mailinglisten und Newsgroups

Emails können an mehrere Empfänger verschickt werden. Dies kann so ausgeweitet werden, daß bestimmte Gruppen Diskussionen über Emails abwickeln, indem sie sogenannte Mailinglisten einrichten. Mailinglisten gibt es zu allen möglichen Themen und Bereichen, z.B. Computer oder bestimmte Hobbies. Nachdem man sich bei einer Mailingliste angemeldet hat, kann man mit Emails an die Verteileradresse alle anderen Mitglieder dieser Liste erreichen. Umgekehrt werden alle Emails der anderen Benutzer an einen weitergeleitet.

Newsgroups sind die "schwarzen Bretter" des Internets. Jeder Internetbenutzer kann sie gleichberechtigt lesen und in ihnen schreiben, weswegen sie oft als "anarchistisch" angesehen werden.

Newsgroups sind nach verschiedenen Themengebieten sortiert, z.B. bezeichnet "comp." computerbezogene Themen, "rec." (für recreational) Hobby und Freizeit und "de." deutschsprachige Newsgroups. Nach dieser groben Sortierung folgt eine Untergliederung, z.B. in "sci.astro". oder "sci.physics". Diese Gruppen werden noch weiter unterteilt in z.B. "sci.astro.planetarium" oder "sci.astro.hubble" etc. In einer newsgroup, gerade in einer wissenschaftlichen, lassen sich die unterschiedlichsten Benutzer antreffen, vom fachspezialisierten Professor bis hin zu Amateuren. Newsgroups sind in gewisser Weise ein Spiegel der Gesellschaft, denn nicht nur wissenschaftliche newsgroups existieren, sondern ganz unterschiedliche, teilweise sogar absurde, wie z.B. die newsgroup "alt.sex.fetish.startrek". [Diese newsgroup (wie alle newsgroups der Gruppe alt.sex.*) wird nicht von der Universität Gießen angeboten. Über den Inhalt läßt sich nur spekulieren (aber manche Dinge muß man nicht unbedingt wissen wollen).]

Newsgroups sind in gewisser Weise ein Massenmedium. Im Gegensatz zu Emails gibt es keine bekannte bzw. begrenzte Empfängeranzahl.

2.4.3 Talk

Im Gegensatz zu den bis jetzt beschriebenen asynchronen Kommunikationsformen gibt es auch synchrone. Ein für Einzelkommunikation gedachtes Programm ist z.B. Talk. Hier können sich zwei Personen via Texteingabe miteinander "unterhalten". Der Bildschirm ist dabei üblicherweise in zwei Hälften geteilt. In der oberen erfolgt die eigene Texteingabe, hier sieht man auch den bis jetzt selbst geschriebenen Text, während in der unteren Hälfte der eingegebene Text des virtuellen Gegenübers erscheint.

2.4.4 IRC / channels

Die ebenfalls synchronen channels sind Diskussionsforen zu verschiedensten Themen, in die man sich mit einem selbstgewählten nickname (Spitzname/Phantasiename) einklinken kann. Wie bei newsgroups und Mailinglisten kann der Schwerpunkt auf verschiedenen Themen liegen, wegen des synchronen Charakters der channels kann hier aber auch das Flirten im Vordergrund stehen (siehe 2.5.).

Im IRC (Internet Relay Chat), eines der am häufigsten benutzten Chat-Foren, kann man Botschaften entweder an alle Channelteilnehmer oder aber auch privat an einzelne Personen senden.

2.4.5 Internetspiele

Es gibt verschiedene Spiele im Internet, darunter auch kommerzielle (z.B. Ultima Online), welche nicht nur recht hohe Systemanforderungen an den Computer des Benutzers stellen sondern auch Gebühren verlangen. Auf diese wird im Rahmen dieser Arbeit nicht weiter eingegangen.

Desweiteren gibt es auch nichtkommerzielle Spiele, darunter die sogenannten MUDs und ihre Untergruppen. MUDs werden unter Punkt 3 ausführlich beschrieben.

 

 

bilaterale Kommunikation

multilaterale Kommunikation

Asynchron

Email

Newsgroups

Mailinglisten

Synchron

Talk

MUDs

Channels

Abb. 1. Überblick der Kommunikationsformen im Internet

 

 

2.5 Rollenverhalten im Internet

Im Internet sind vielfältige Rollenmuster möglich wie sonst nur sehr schwer. Hier können Menschen ungeachtet des sozialen Status, des Äußeren, des Geschlechts etc. gleichrangig miteinander kommunizieren. Die weitreichende soziale Anonymität in diesem Medium gibt Menschen die Chance zu einem Spiel mit den Rollen.

Im Internet kann man eine selbstgewählte Rolle annehmen, z.B. durch die Gestaltung der eigenen homepage, durch Verwendung von selbstgewählten nicknames und natürlich durch das Auftreten in den diversen Kommunikationsforen. Informationen über die eigene Person können versteckt oder sogar teilweise verfälscht werden, wahren Aufschluß gibt meist allein die Email-Adresse.

Oft wird im Internet z.B. das Spiel mit dem Geschlechtertausch ausprobiert. Durch nicknames, die auf das vermeintliche Geschlecht hinweisen, schlüpfen Menschen in die Rolle des jeweils anderen Geschlechts.

Es gibt verschiedene Studien über Rollenverhalten im Internet; diese Arbeit beschäftigt sich besonders mit dem Rollenspiel in MUDs: in Internetspielen, die auf dem Spiel mit Rollen basieren.


Zum vorigen Punkt (Einführung) | Zum nächsten Punkt (MUDs) | Zurück zum Inhaltsverzeichnis